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Die Landhockeyanerinnen von Rotweiss Wettingen müssen nach drei hauchdünnen Niederlagen und einem Unentschieden das nächste Jahr eine europäische Liga tiefer antreten.
Alexander Wagner, Prag
Der Auftakt in das Turnier in Prag war vielversprechend. Nach einer ansprechenden Leistung unterlagen die Wettingerinnen dem irischen Vertreter nur ganz knapp mit 0:1. Das ist zum einen Teil erfreulich, wenn man die längerfristige Entwicklung betrachtet und in Betracht zieht, dass die Rotweiss letztes Jahr – dazu noch vor eigenem Publikum auf der heimischen Bernau – gegen das Team von der grünen Insel eine regelrechte Klatsche hinnehmen mussten. Zum anderen wurde die ohnehin schon junge Mannschaft aufgrund von Rücktritten und Verletzungen nochmals massiv verjüngt und zahlreiche Akteurinnen im Juniorenalter mussten sich bereits auf der harten europäischer Bühne behaupten.
Sieg und Vorentscheidung vergeben
In der zweiten Partie gegen die französische Equipe aus Cambrai erreichte das Team von Trainer Thomas Dauner ein Unentschieden. Auch dies ist im Vergleich zu vorangegangen Turnieren ein Fortschritt, war man gegen die französischen Vertreterinnen doch meistens unterlegen. Trotzdem wurde in dieser Partie die Vorentscheidung vergeben, denn sowohl physisch als auch stocktechnisch und taktisch waren die Aargauerinnen mindestens ebenbürtig, wenn nicht sogar besser. Doch sie versäumten es – trotz zahlreicher Chancen, einen Treffer zu erzielen.
Mangelnde Chancenauswertung
Dies ist auch das Hauptproblem der Rotweissen: Auf der Position des Torhüters sind sie mit der routinierten Christine Benz, welche sogar einen Penalty entschärfte, und der jungen, aufstrebenden Flurina Wälti sehr gut besetzt. Auch in der Verteidigung haben sie mit Captain Alexandra Wälti, der routinierten Nadja Blatter sowie der aus der zweiten Mannschaft reaktivierten Karoline Engels und den jungen Eigengewächsen eine sehr solide Basis. Im Mittelfeld um die langjährige Bundesligaakteurin Daniela Schwarz können die Rotweissen auf diesem europäischen Level mithalten. Das zeigt auch die Gesamtbilanz: In vier harten, auf teilweise hohem Niveau stehenden Partien mussten sie nur gerade vier Gegentreffer hinnehmen, zwei davon nach kurzen Ecken. Eine Standardsituation, welche im modernen Landhockey immer entscheidender wird.
Schlechte Ausgangslage für Stürmerinnen
Genauso erfreulich wie die Bilanz aus der defensiven Perspektive ist, so ernüchternd ist sie aus der offensiven Sicht: In den vier Partien gelang nur gerade ein einziger mickriger Treffer. Und dies nicht etwa weil die Wettingerinnen sich gar keine Chancen herausarbeiten konnten oder weil sie haushoch unterlegen waren, sondern weil sie ihre Möglichkeiten nicht nutzen.
Natürlich ist es zu kurz gegriffen, jetzt die ganze Verantwortung dafür den Stürmerinnen in die Schuhe zu schieben. Denn die Voraussetzungen für die Vollblutamateurinnen aus Wettingen waren alles andere als optimal: Stephanie Wälti, in der heimischen Liga ein Torgarant, steckte bis kurz vor dem Abflug in die tschechische Metropole in den Prüfungen zur Matur, genau wie Karin Bugmann in den Lehrabschlussprüfungen. Gerade Wälti, die 20 Minuten vor dem Anpfiff zur ersten Partie erst auf dem Platz eintraf, war deutlich anzumerken, dass sie mit dem Kopf noch nicht ganz bei der Sache war. Doch daraus kann man der jungen Stürmerin, genau wie ihrer Kollegin Bugmann, keinen Vorwurf machen. Diese Terminkollision war einfach sehr störend und hinderlich.
Ebenfalls schlechte Startbedingungen hatte Renske Van der Veen. Die Holländerin hatte beruflich bedingt einen sehr langen Unterbruch und stieg erst zwei Wochen vor dem Europacup wieder ins Mannschaftstraining ein. Da ist es verständlich, dass bei ihr noch einige Mängel auszumachen waren.
Offensiv zu wenig Durchschlagskraft
Zudem liegt es nicht nur an den Stürmerinnen, den Druck auf das gegnerische Tor zu entwickeln. Oft fehlte auch die nötige Unterstützung aus dem Mittelfeld. Oder die Eckenspezialisten, welche zahlreiche Möglichkeiten hatten, liessen auch zu viele Strafecken ungenutzt. Zudem machte sich in manchen, aber oft spielentscheidenden Situationen, einfach die mangelnde Erfahrung bei den blutjungen Akteurinnen bemerkbar. Diese sind zwar zweifellos ein Versprechen für die Zukunft, aber im Moment fehlt ihnen auf diesem europäischen Niveau noch die nötige Cleverness.
So konnten sich Trainer Dauner und sein Assistent Nicolas Steffen zwar über eine starke Defensiv-Bilanz freuen, gleichzeitig wissen sie aber auch, dass im offensiven Bereich, im Verbund als gesamte Mannschaft, noch sehr viel Arbeit auf die Trainer und damit die Spielerinnen wartet.
Service
Europacup der Landesmeisterinnenin Prag (Tschechien)
Gruppenspiele
Rotweiss Wettingen – Dublin 0:1 (0:1)
Rotweiss Wettingen – Cambrai 0:0
Rotweiss Wettingen – Uccle 1:2 (0:1)
Entscheidungsspiel:
Rotweiss Wettingen – Gintra Stretke (LTU) 0:1 (0:1)
Das Kader von Rotweiss Wettingen:
Goalies: Flurina Wälti und Christine Benz.
Feldspieler: Elena Trösch, Karin Bugmann, Livia de Notaristefano, Alexandra Wälti (Captain), Hasna El Allaly, Nadja Blatter, Lisa Schnyder, Silja Schnyder, Karoline Engels, Daniela Schwarz, Catia Koller, Michelle Müller, Stephanie Wälti und Renske Van der Veen.
Trainer: Thomas Dauner. Co-Trainer: Nicolas Steffen. Team Manager: Monika Wälti. Physio: Annette Blum
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